Atemnot ist das subjektive Gefühl, dass das Atmen mehr Anstrengung als gewöhnlich erfordert oder dass man nicht genug Luft bekommt. Herzklopfen ist das Gefühl, dass das Herz rast, pocht, flattert oder Schläge aussetzt. Wenn diese beiden Symptome gemeinsam auftreten, deuten sie in der Regel auf ein Problem hin, das das Herz, die Lunge oder die Verbindung zwischen diesen beiden Systemen betrifft.

Krankheiten und Erkrankungen, die Atemnot mit Herzklopfen verursachen
1. Herzrhythmusstörungen
Eine Herzrhythmusstörung ist ein abnormaler Herzrhythmus: Das Herz schlägt zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig. Herzrhythmusstörungen sind eine der häufigsten Ursachen für Herzklopfen und lösen häufig Atemnot aus, da ein ineffizienter Herzschlag weniger Blut pro Minute pumpt und so die Sauerstoffversorgung Ihres Körpers und Ihrer Lunge verringert.
Die am weitesten verbreitete Herzrhythmusstörung ist Vorhofflimmern, von dem weltweit etwa 60 Millionen Menschen betroffen sind. Bei Vorhofflimmern senden die oberen Herzkammern (die Vorhöfe) chaotische elektrische Signale aus, anstatt sich in einem koordinierten Rhythmus zusammenzuziehen. Die Folge ist ein unregelmäßiger, oft schneller Herzschlag – typischerweise zwischen 100 und 175 Schlägen pro Minute –, den viele Menschen als ein Zittern oder Flattern in der Brust beschreiben.

Weitere häufige Herzrhythmusstörungen, die sowohl Atemnot als auch Herzklopfen verursachen, sind:
- Supraventrikuläre Tachykardie – ein plötzlich auftretender schneller Herzschlag, meist 150 bis 220 Schläge pro Minute, der oberhalb der Herzkammern entsteht. Diese Erkrankung tritt bei etwa 2,25 von 1.000 Menschen in der Allgemeinbevölkerung auf.
- Ventrikuläre Tachykardie – ein schneller Rhythmus, der in den unteren Herzkammern entsteht und gefährlicher ist, da er das Herzzeitvolumen erheblich verringern kann.
- Ventrikuläre Extrasystolen – vorzeitige zusätzliche Schläge aus den Herzkammern, die die meisten Menschen als „ausgelassenen“ Schlag empfinden, gefolgt von einem starken Pochen.
Herzrhythmusstörungen haben viele Ursachen: koronare Herzkrankheit, Herzklappenprobleme, Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen, Elektrolytstörungen (insbesondere niedrige Kalium- oder Magnesiumwerte), übermäßiger Koffein- oder Alkoholkonsum, bestimmte Medikamente und strukturelle Veränderungen des Herzgewebes nach einem Herzinfarkt.
2. Herzinsuffizienz
Herzinsuffizienz bedeutet, dass der Herzmuskel zu schwach oder zu steif geworden ist, um Blut effizient zu pumpen. Wenn das Herz das Blut nicht mehr ausreichend weiterbefördern kann, staut sich Flüssigkeit in der Lunge – ein Zustand, der als Lungenstauung bezeichnet wird und das Atmen erschwert. Gleichzeitig löst das geschwächte Herz oft kompensatorische Herzrhythmusstörungen aus, die Herzklopfen verursachen.
Das Lebenszeitrisiko, an Herzinsuffizienz zu erkranken, liegt bei Erwachsenen über 40 Jahren bei etwa 20 %.
Herzinsuffizienz entsteht durch Erkrankungen, die den Herzmuskel im Laufe der Zeit schädigen oder überlasten. Zu den Hauptursachen zählen:
- Koronare Herzkrankheit – verantwortlich für etwa 50 bis 75 % der Herzinsuffizienzfälle in Industrieländern. Verstopfungen in den Herzkranzgefäßen führen zu einer Unterversorgung des Herzmuskels mit Blut, was einen Herzinfarkt oder eine chronische Ischämie zur Folge hat, die den Herzmuskel schwächt.
- Bluthochdruck (Hypertonie). Bluthochdruck zwingt das Herz über Jahre hinweg, gegen einen höheren Widerstand zu pumpen, wodurch sich der Herzmuskel verdickt und schwächt. Bluthochdruck trägt zu etwa 75 % der Herzinsuffizienzfälle bei, oft in Kombination mit anderen Faktoren.
- Dilatative Kardiomyopathie – der Herzmuskel dehnt sich aus und wird dünner, wodurch seine Pumpkraft abnimmt. Virusinfektionen, Alkoholmissbrauch, bestimmte Chemotherapeutika und genetische Mutationen verursachen eine dilatative Kardiomyopathie.
- Herzklappenerkrankung – beschädigte oder schlecht funktionierende Herzklappen zwingen das Herz zu erhöhter Arbeit, was schließlich zu Herzinsuffizienz führt.

3. Lungenembolie
Eine Lungenembolie tritt auf, wenn ein Blutgerinnsel – meist aus den tiefen Beinvenen stammend – in die Lunge wandert und eine Lungenarterie verstopft. Die Verstopfung verhindert, dass Blut einen Teil der Lunge erreicht, wodurch die Sauerstoffversorgung verringert wird und die rechte Herzhälfte stärker arbeiten muss. Die Kombination aus Sauerstoffmangel und Herzbelastung führt sowohl zu plötzlicher, schwerer Atemnot als auch zu einem schnellen oder unregelmäßigen Herzschlag.
Eine Lungenembolie ist ein medizinischer Notfall. Sie ist nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste Ursache für Herz-Kreislauf-Todesfälle.

Zu den Risikofaktoren, die zur Bildung von Blutgerinnseln führen, gehören:
- Längere Bewegungslosigkeit – lange Flüge, Bettruhe nach einer Operation oder ein Krankenhausaufenthalt verlangsamen den Blutfluss in den Beinvenen.
- Kürzlich durchgeführte Operationen – insbesondere orthopädische Eingriffe wie Hüft- oder Kniegelenkersatz, die mit einem besonders hohen Risiko verbunden sind.
- Krebs – bösartige Tumore setzen Substanzen frei, die die Blutgerinnung fördern.
- Schwangerschaft und Wochenbett – eine Schwangerschaft erhöht die Gerinnungsfaktoren und verringert den venösen Rückfluss aus den Beinen.
- Orale Kontrazeptiva und Hormonersatztherapie – Östrogen erhöht das Risiko der Blutgerinnselbildung.
- Vererbte Gerinnungsstörungen – Erkrankungen wie die Faktor-V-Leiden-Mutation oder das Antiphospholipid-Syndrom treten bei etwa 5 bis 8 % der Bevölkerung auf und erhöhen das Gerinnungsrisiko erheblich.
4. Anämie
Anämie ist ein Mangel an gesunden roten Blutkörperchen oder Hämoglobin – dem Protein, das Sauerstoff durch den Blutkreislauf transportiert. Wenn Ihr Blut weniger Sauerstoff pro Volumeneinheit transportiert, gleicht Ihr Herz dies aus, indem es schneller und kräftiger schlägt, um die gleiche Menge Sauerstoff an Ihr Gewebe zu liefern. Diese Erhöhung der Herzfrequenz verursacht Herzklopfen, während der zugrunde liegende Sauerstoffmangel Atemnot verursacht, insbesondere bei Anstrengung.
Anämie ist sehr verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit 1,62 Milliarden Menschen an Anämie leiden – das sind etwa 24,8 % der Weltbevölkerung. Eisenmangel ist die Hauptursache und macht etwa 50 % aller Anämiefälle weltweit aus. Weitere wichtige Ursachen sind:
- Vitamin-B12-Mangel und Folsäuremangel – ohne diese Nährstoffe kann das Knochenmark keine roten Blutkörperchen richtig bilden. Ein Vitamin-B12-Mangel tritt bei etwa 6 % der Erwachsenen unter 60 Jahren und bei fast 20 % der Erwachsenen über 60 Jahren auf.
- Chronische Nierenerkrankung – die Nieren produzieren ein Hormon namens Erythropoetin, das die Bildung roter Blutkörperchen anregt. Bei Nierenversagen wird weniger Erythropoetin gebildet, was zu Anämie führt. Etwa 37 % der Menschen mit chronischer Nierenerkrankung leiden an Anämie.
- Chronische Erkrankungen – Entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, entzündliche Darmerkrankungen und Krebs hemmen die Bildung roter Blutkörperchen.
- Hämolytische Anämien – Erkrankungen wie Sichelzellenanämie oder autoimmune hämolytische Anämie zerstören rote Blutkörperchen schneller, als das Knochenmark sie ersetzen kann.
Unter den Ursachen für Atemnot mit Herzklopfen ist Anämie eine häufige Ursache – insbesondere bei Frauen im gebärfähigen Alter (wo die Prävalenz weltweit etwa 29 % erreicht), bei älteren Patienten und bei Menschen mit chronischen Erkrankungen.
5. Hyperthyreose
Eine Hyperthyreose tritt auf, wenn die Schilddrüse zu viel Schilddrüsenhormon produziert, wodurch fast alle Stoffwechselprozesse im Körper beschleunigt werden. Ein Überschuss an Schilddrüsenhormon erhöht die Herzfrequenz, steigert das Herzzeitvolumen und erhöht den gesamten Sauerstoffbedarf des Körpers. Die Folge sind eine anhaltende Ruhe-Tachykardie (oft über 100 Schläge pro Minute), Herzklopfen und Atemnot, insbesondere bei körperlicher Aktivität.
Eine Hyperthyreose tritt bei etwa 1,3 % der Bevölkerung unseres Landes auf. Unter den Menschen, bei denen eine Hyperthyreose diagnostiziert wurde, geben bis zu 70 % Herzklopfen als Symptom an.
Zu den Hauptursachen einer Hyperthyreose gehören:
- Morbus Basedow – eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper produziert, die die Schilddrüse kontinuierlich stimulieren. Morbus Basedow macht etwa 70 bis 80 % aller Fälle von Hyperthyreose aus und tritt weitaus häufiger bei Frauen auf, die 7- bis 10-mal häufiger daran erkranken als Männer.
- Toxischer multinodulärer Kropf – multiple Schilddrüsenknoten, die unabhängig voneinander Hormone produzieren und dabei die normalen Regulationssignale der Hypophyse umgehen. Diese Ursache tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf.
- Thyreoiditis – eine Entzündung der Schilddrüse (durch eine Virusinfektion, Veränderungen nach der Geburt oder bestimmte Medikamente) setzt vorübergehend gespeichertes Schilddrüsenhormon in den Blutkreislauf frei.
- Jodüberschuss – die Einnahme sehr hoher Jodmengen (aus Nahrungsergänzungsmitteln, bestimmten Kontrastmitteln in der Bildgebung oder dem Medikament Amiodaron) kann eine Schilddrüsenüberfunktion auslösen, insbesondere bei Menschen mit bereits bestehenden Schilddrüsenknoten.
6. Panikstörung und Angstzustände
Eine Panikstörung ist durch wiederkehrende, unerwartete Episoden intensiver Angst gekennzeichnet, die von körperlichen Symptomen begleitet werden, welche schwerwiegenden Erkrankungen sehr ähnlich sind. Während einer Panikattacke löst der Körper die Kampf-oder-Flucht-Reaktion aus und überschwemmt den Blutkreislauf mit Adrenalin. Adrenalin beschleunigt die Herzfrequenz, verursacht Hyperventilation (schnelles Atmen, das nicht dem tatsächlichen Sauerstoffbedarf des Körpers entspricht) und löst ein Gefühl von Engegefühl in der Brust aus – was gleichzeitig Herzklopfen und Atemnot hervorruft.
Eine Panikstörung tritt bei etwa 2,5 % der Bevölkerung unseres Landes auf.
Die Ursachen für Panikstörungen sind:
- Genetische Veranlagung – hat ein Verwandter ersten Grades eine Panikstörung, erhöht sich das eigene Risiko um das Drei- bis Fünffache.
- Neurobiologische Faktoren – Eine Dysregulation der Amygdala (dem Zentrum der Angstverarbeitung im Gehirn) und Ungleichgewichte bei Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin und Gamma-Aminobuttersäure tragen zur Anfälligkeit für Panikzustände bei.
- Lebensstressoren und Traumata – einschneidende Lebensereignisse, Trauerfälle und Kindheitstraumata erhöhen das Risiko, eine Panikstörung zu entwickeln, erheblich.
- Medizinische Auslöser – Koffein, stimulierende Medikamente, Hypoglykämie und Schilddrüsenerkrankungen können Panikattacken auslösen oder verschlimmern.
7. Herzklappenerkrankungen
Herzklappen steuern die Richtung des Blutflusses durch die vier Herzkammern. Wenn sich eine Klappe verengt (Stenose) oder undicht ist (Regurgitation), muss das Herz stärker arbeiten, um das Herzzeitvolumen aufrechtzuerhalten. Diese zusätzliche Belastung dehnt die Herzkammern aus und vergrößert sie, begünstigt Herzrhythmusstörungen und erhöht den Druck im Lungenkreislauf – was sowohl zu Herzklopfen als auch zu Atemnot führt.
Die häufigsten Herzklappenerkrankungen, die diese beiden Symptome verursachen, sind:
- Mitralklappenprolaps – die Segel der Mitralklappe wölben sich bei jedem Herzschlag zurück in den linken Vorhof. Der Mitralklappenprolaps ist die häufigste Herzklappenerkrankung und tritt bei etwa 2 bis 3 % der Gesamtbevölkerung auf. Die meisten Fälle sind gutartig, doch ein kleiner Anteil verursacht eine signifikante Insuffizienz und Herzrhythmusstörungen.
- Mitralinsuffizienz – Blut fließt rückwärts durch die Mitralklappe, wodurch der Vorwärtsfluss verringert wird. Eine signifikante Mitralinsuffizienz tritt bei etwa 1,7 % der Allgemeinbevölkerung auf.
- Aortenstenose – die Aortenklappe verengt sich und behindert den Blutfluss aus dem Herzen. Diese Erkrankung tritt mit zunehmendem Alter immer häufiger auf und betrifft 2 bis 5 % der Erwachsenen über 65 Jahre.

Herzklappenerkrankungen entstehen durch rheumatisches Fieber (insbesondere in Entwicklungsländern, wo Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A unbehandelt bleiben), altersbedingte Kalkablagerungen an den Klappensegeln, angeborene Fehlbildungen, infektiöse Endokarditis (bakterielle Infektion der Herzklappe) oder Bindegewebserkrankungen wie das Marfan-Syndrom.
Herzklappenerkrankungen sind eine recht häufige Ursache für Atemnot mit Herzklopfen, insbesondere bei älteren Erwachsenen und in Bevölkerungsgruppen mit hohen Raten an rheumatischem Fieber. Weltweit sind schätzungsweise 55 Millionen Menschen von rheumatischen Herzerkrankungen betroffen.













Discussion about this post