Anhaltende Atemnot ist eine andauernde Atembeschwerden oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, die über Wochen oder länger anhält oder immer wieder auftritt. Manche Menschen bemerken Atemnot nur bei körperlicher Aktivität. Andere fühlen sich sogar in Ruhe kurzatmig.
Anhaltende Atemnot erfordert ärztliche Hilfe, da sie durch viele schwerwiegende Erkrankungen verursacht werden kann. Einige Ursachen betreffen die Lunge, während andere das Herz, das Blut, die Blutgefäße, die Muskeln oder das Nervensystem betreffen.
Studien zeigen, dass anhaltende Atemnot bei etwa 10 % bis 20 % der Erwachsenen in unserem Land auftritt. Dieses Symptom tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf; bei älteren Erwachsenen kann die Prävalenz 25 % übersteigen.
In den meisten Fällen liegt die Ursache in einer Herz- oder Lungenerkrankung.
Erkrankungen oder Zustände, die anhaltende Atemnot verursachen
1. Chronisch obstruktive Lungenerkrankung
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist die häufigste Ursache für anhaltende Atemnot.
Diese Erkrankung entsteht, wenn eine langfristige Belastung durch schädliche Partikel oder Gase die Atemwege und das Lungengewebe schädigt.
Häufige Ursachen für eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung sind:
- Zigarettenrauchen
- Passivrauchen
- Kochrauch in Innenräumen
- Luftverschmutzung
- Staub und Chemikalien am Arbeitsplatz
- Seltene genetische Erkrankungen.
Entzündungen verengen die Atemwege. Das Lungengewebe verliert an Elastizität. Luft bleibt in der Lunge eingeschlossen. Diese Veränderungen erschweren das Atmen zunehmend.
Mit fortschreitender Erkrankung können bereits einfache Tätigkeiten wie Gehen oder Anziehen zu Atemnot führen.
2. Asthma
Asthma ist eine weitere häufige Ursache für anhaltende Atemnot. Anhaltende Symptome treten auf, wenn das Asthma schlecht eingestellt ist oder wenn die Entzündung der Atemwege über lange Zeiträume anhält.

Asthma entsteht, weil die Atemwege gegenüber verschiedenen Auslösern überempfindlich werden.
Zu den häufigen Auslösern gehören:
- Allergene
- Infektionen der Atemwege
- Körperliche Anstrengung
- Luftverschmutzung
- Tabakrauch
- Bestimmte Medikamente.
Auch genetische Faktoren tragen zur Entstehung von Asthma bei.
Entzündete Atemwege schwellen an und produzieren übermäßig viel Schleim. Die Muskeln der Atemwege können sich plötzlich verkrampfen. Diese Veränderungen verengen die Atemwege und verringern den Luftstrom.
Manche Menschen leiden unter zeitweise auftretenden Asthmaanfällen. Andere entwickeln zwischen den Asthmaanfällen anhaltende Atembeschwerden.
3. Herzinsuffizienz
Atemnot ist eines der typischen Symptome einer Herzinsuffizienz.
Herzinsuffizienz bedeutet, dass das Herz das Blut nicht mehr effektiv pumpen kann.

Häufige Ursachen für Herzinsuffizienz sind:
- Koronare Herzkrankheit
- Früherer Herzinfarkt
- Bluthochdruck
- Herzklappenerkrankung
- Kardiomyopathie
- Bestimmte Infektionen.
Ein geschwächtes Herz führt dazu, dass sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt. Die Flüssigkeit im Lungengewebe beeinträchtigt den Sauerstoffaustausch. Das Atmen fällt schwerer, insbesondere bei Anstrengung oder im Liegen.
4. Koronare Herzkrankheit
Die koronare Herzkrankheit ist in unserem Land sehr verbreitet und trägt häufig zu Belastungs Atemnot bei.

In den Koronararterien bilden sich Fettablagerungen, sogenannte Plaques. Zu den Risikofaktoren zählen:
- Tabakrauchen
- Diabetes
- Bluthochdruck
- Hoher Cholesterinspiegel
- Adipositas
- Familienanamnese.
Eine verminderte Durchblutung schränkt die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels ein. Das Herz kann bei körperlicher Aktivität nicht effizient arbeiten. Manche Menschen verspüren Atemnot statt Brustschmerzen.
5. Adipositas
Adipositas ist eine sehr häufige Ursache für anhaltende Atemnot.
Adipositas entsteht, wenn die Energiezufuhr über einen längeren Zeitraum hinweg den Energieverbrauch kontinuierlich übersteigt.
Genetische, umweltbedingte, hormonelle und verhaltensbezogene Faktoren tragen zur Gewichtszunahme bei.
Überschüssiges Körperfett erhöht den Atemaufwand. Fettgewebe im Bereich von Brustkorb und Bauch schränkt die Ausdehnung der Lunge ein.
Der Körper benötigt zudem mehr Sauerstoff, da er eine größere Körpermasse versorgen muss.
6. Körperliche Dekonditionierung
Körperliche Dekonditionierung ist eine häufige, aber oft übersehene Ursache für anhaltende Atemnot.
Dieser Zustand tritt nach längerer Inaktivität, Krankheit, Krankenhausaufenthalt oder einem sitzenden Lebensstil auf.
Muskeln werden schwächer, wenn man sie weniger beansprucht. Die kardiovaskuläre Fitness nimmt mit der Zeit ab.
Schwächere Muskeln benötigen bei körperlicher Aktivität mehr Sauerstoff. Herz und Lunge müssen sich stärker anstrengen, um alltägliche Aufgaben zu bewältigen. Viele Menschen bemerken Atemnot beim Treppensteigen oder beim Bergaufgehen.
7. Anämie
Anämie ist eine häufige Ursache für anhaltende Atemnot, insbesondere bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen.
Eine durch Eisenmangel bedingte Anämie ist in unserem Land weit verbreitet.
Anämie bedeutet, dass das Blut zu wenige rote Blutkörperchen oder zu wenig Hämoglobin enthält.
Häufige Ursachen für Anämie sind:
- Eisenmangel
- Vitaminmangel
- Blutverlust
- Nierenerkrankungen
- Knochenmarkerkrankungen.
Rote Blutkörperchen transportieren Sauerstoff. Eine verminderte Anzahl roter Blutkörperchen verringert die Sauerstoffversorgung des Gewebes. Der Körper gleicht dies durch eine Erhöhung der Atem- und Herzfrequenz aus.
8. Interstitielle Lungenerkrankung
Interstitielle Lungenerkrankungen treten seltener auf als Asthma oder chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, sind jedoch dennoch eine wichtige Ursache für anhaltende Atemnot.
Interstitielle Lungenerkrankungen sind eine Gruppe von Erkrankungen, die zu Vernarbungen in der Lunge führen.
Ursachen für interstitielle Lungenerkrankungen sind:
- Autoimmunerkrankungen
- Exposition gegenüber toxischen Substanzen am Arbeitsplatz
- Bestimmte Medikamente
- Strahlentherapie
- Unbekannte Ursachen.
Vernarbte Lungen werden steif. Steife Lungen können sich nicht normal ausdehnen. Der Sauerstoffaustausch über das Lungengewebe wird weniger effizient.
9. Pulmonale Hypertonie
Pulmonale Hypertonie ist eine seltene Ursache für anhaltende Atemnot.
Diese Erkrankung tritt weitaus seltener auf als Asthma, Adipositas oder chronisch-obstruktive Lungenerkrankung.
Unter pulmonaler Hypertonie versteht man einen Anstieg des Drucks in den Arterien, die das Blut durch die Lunge transportieren.
Ursachen für pulmonale Hypertonie sind:
- Herzerkrankungen
- Chronische Lungenerkrankungen
- Blutgerinnsel
- Bindegewebserkrankungen
- Genetische Faktoren.
Die rechte Herzhälfte muss gegen einen höheren Widerstand pumpen. Der verminderte Blutfluss durch die Lunge schränkt die Sauerstoffaufnahme ein, insbesondere bei körperlicher Belastung.
10. Lungenkrebs
Lungenkrebs tritt seltener auf als andere Ursachen, muss von Ärzten jedoch in Betracht gezogen werden, insbesondere bei Rauchern und älteren Erwachsenen.
Lungenkrebs entsteht, wenn sich abnormale Zellen im Lungengewebe unkontrolliert vermehren.
Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor.
Ein Tumor kann die Atemwege blockieren, das Lungengewebe komprimieren, eine Flüssigkeitsansammlung um die Lunge herum verursachen oder die normale Lungenfunktion beeinträchtigen.
11. Angststörungen
Angststörungen entstehen durch das Zusammenspiel von genetischen, psychologischen und umweltbedingten Faktoren.
Angst kann das Atemmuster verändern. Schnelle oder flache Atmung kann ein Gefühl von Luftmangel hervorrufen, selbst wenn der Sauerstoffgehalt noch normal ist.
Angst kann zudem Atemwegsbeschwerden verschlimmern, die durch Herz- oder Lungenerkrankungen verursacht werden.
Was müssen Sie tun, wenn Sie unter anhaltender Atemnot leiden?
Sie sollten sich ärztlich untersuchen lassen, wenn die Atemnot länger als 3–4 Wochen anhält oder wiederholt auftritt.
Suchen Sie sofort einen Notarzt auf, wenn Sie eines der folgenden Symptome haben:
- Starke Atembeschwerden
- Brustschmerzen
- Blaue Lippen oder blaue Haut
- Verwirrtheit
- Ohnmacht
- Plötzliche Verschlimmerung der Symptome
- Bluthusten.
Sie können Ihrem Arzt auch helfen, indem Sie Folgendes notieren:
- Wann die Symptome begonnen haben
- Aktivitäten, die die Symptome auslösen
- Faktoren, die die Symptome lindern
- Rauchverhalten
- Einnahme von Medikamenten
- Begleitende Symptome.
Wie Ärzte die Ursache diagnostizieren
Ärzte beginnen in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung.
Zu den weiteren Untersuchungen können gehören:
- Blutuntersuchungen. Blutuntersuchungen können Anämie, Infektionen, Nierenerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen oder Herzschäden aufdecken.
- Pulsoximetrie. Ein Sensor misst den Sauerstoffgehalt im Blut.
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs kann eine Lungenentzündung, eine Herzvergrößerung, Lungenvernarbungen, Lungenkrebs oder eine Flüssigkeitsansammlung aufzeigen.
- Computertomographie. Die Computertomographie liefert detailliertere Bilder der Lunge und des Brustkorbs.
- Lungenfunktionstest. Bei der Lungenfunktionsuntersuchung werden Luftstrom, Lungenvolumen und Lungenkapazität gemessen. Diese Werte helfen bei der Diagnose von Asthma, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung und anderen Lungenerkrankungen.
- Elektrokardiogramm. Ein Elektrokardiogramm dient der Beurteilung des Herzrhythmus und der Erkennung von Anzeichen einer Herzerkrankung.
- Echokardiogramm. Bei einem Echokardiogramm werden mithilfe von Ultraschall die Struktur und Funktion des Herzens untersucht.
- Belastungstest. Ein Belastungstest hilft dabei festzustellen, wie Herz, Lunge und Muskeln auf körperliche Aktivität reagieren.
Behandlung von anhaltender Atemnot
Die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.
Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung
Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Raucherentwöhnung
- Inhalationsmedikamente
- Lungenrehabilitation
- Sauerstofftherapie für ausgewählte Patienten.
Behandlung von Asthma
Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Entzündungshemmende Inhalationsmedikamente
- Bronchodilatatoren
- Vermeidung von Auslösern.
Behandlung von Herzinsuffizienz
Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Medikamente zur Verbesserung der Herzfunktion
- Reduzierung der Salzaufnahme
- Sorgfältiger Ausgleich des Flüssigkeitshaushalts
- Behandlung der zugrunde liegenden Herzerkrankung.
Behandlung von Adipositas
Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Ernährungsumstellung
- Steigerung der körperlichen Aktivität
- Verhaltenstherapeutische Programme
- Medikamente zur Gewichtsreduktion
- Adipositaschirurgie bei ausgewählten Patienten.
Behandlung von Anämie
Die Behandlung hängt von der Ursache ab, zum Beispiel:
- Eisenpräparate
- Vitaminersatz
- Behandlung von Blutungen
- Behandlung der Grunderkrankung.
Behandlung interstitieller Lungenerkrankungen
Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Entzündungshemmende Medikamente
- Antifibrotika
- Sauerstofftherapie
- Lungentransplantation bei ausgewählten Patienten.
Behandlung der pulmonalen Hypertonie
Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Spezialmedikamente
- Sauerstofftherapie
- Behandlung der Grunderkrankung.
Behandlung von Angststörungen
Die Behandlung kann Folgendes umfassen:
- Psychologische Therapie
- Stressbewältigung
- Medikamentöse Behandlung, sofern angebracht.














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