Wenn Sie Kortikosteroid-Medikamente einnehmen, steigt Ihr Blutzuckerspiegel oft deutlich an. Dieser Effekt kann plötzlich und stark auftreten, insbesondere bei Dosierungen, die zur Behandlung von Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder zur Unterstützung von Organtransplantationen verwendet werden. In einigen Fällen reicht der Anstieg des Blutzuckerspiegels aus, um einen neu auftretenden Diabetes zu verursachen oder einen bestehenden Diabetes viel schwieriger zu behandeln.

Was sind Kortikosteroid-Medikamente?
Kortikosteroid-Medikamente sind synthetische Versionen natürlicher Hormone, die von unseren Nebennieren produziert werden. Diese Medikamente reduzieren Entzündungen und beruhigen überaktive Immunreaktionen. Häufige Beispiele sind Prednison, Dexamethason, Prednisolon und Methylprednisolon. Ärzte verwenden sie zur Behandlung von Erkrankungen, die von Asthma und rheumatoider Arthritis bis hin zu allergischen Reaktionen und einigen Krebsarten reichen.
Wie funktioniert der Glukosestoffwechsel normalerweise?
Wir nehmen Glukose aus verdauter Nahrung über das Blut auf. Unsere Bauchspeicheldrüse produziert ein Hormon namens Insulin. Insulin ermöglicht es der Glukose, aus dem Blut in die Zellen des Muskel- und Fettgewebes zu gelangen, wo sie als Energiequelle genutzt oder gespeichert wird. Wenn dieses System gut funktioniert, bleibt unser Blutzuckerspiegel in einem sicheren Bereich.
Wenn der Glukosespiegel im Blut über einen längeren Zeitraum zu hoch bleibt, spricht man von Hyperglykämie. Anhaltende Hyperglykämie führt zu Diabetes und erhöht das Risiko für Komplikationen wie Nerven- und Nierenschäden.

Wie erhöhen Kortikosteroid-Medikamente den Blutzuckerspiegel?
Kortikosteroid-Medikamente stören die normale Glukosekontrolle durch mehrere Mechanismen:
1. Erhöhte Glukoseproduktion durch die Leber
Kortikosteroid-Medikamente regen die Leber dazu an, mehr Glukose aus Nicht-Kohlenhydrat-Bausteinen zu produzieren. Dieser Prozess wird als Glukoneogenese bezeichnet. Kortikosteroid-Medikamente erhöhen die Aktivität wichtiger Leberenzyme wie Phosphoenolpyruvat-Carboxykinase und Glucose-6-Phosphatase, die diesen Glukose-Produktionsweg antreiben. Das bedeutet, dass mehr Glukose in unseren Blutkreislauf gelangt, selbst wenn wir bereits genug gegessen haben.
2. Verringerte Glukoseaufnahme in Muskel- und Fettzellen
Kortikosteroid-Medikamente machen Muskel- und Fettzellen weniger empfindlich gegenüber Insulin. Insulin weist die Zellen normalerweise an, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Wenn die Zellen dieser Anweisung nicht nachkommen, gelangt weniger Glukose aus dem Blutkreislauf in die Zellen, sodass unser Blutzuckerspiegel hoch bleibt. Dieses Phänomen wird als Insulinresistenz bezeichnet.
3. Verminderte Insulinausschüttung durch die Bauchspeicheldrüse
Kortikosteroid-Medikamente können auch die Funktion der Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigen, die Insulin produzieren. Sie reduzieren die Insulinfreisetzung zu Zeiten, in denen unser Körper es am meisten benötigt, beispielsweise nach einer Mahlzeit. Eine geringere Insulinproduktion trägt zum Problem eines hohen Blutzuckerspiegels bei.
4. Erhöhter Abbau von Proteinen und Fett
Kortikosteroid-Medikamente beschleunigen den Abbau von Muskelprotein und Fett. Diese Abbauprodukte liefern der Leber mehr Rohmaterial für die Glukoseherstellung, wodurch der Blutzuckerspiegel weiter ansteigt.
Wie stark verändert sich der Blutzucker?
Der Anstieg des Blutzuckers durch Kortikosteroide ist kein geringfügiger Effekt. Menschen, die Kortikosteroid-Medikamente einnehmen, stellen häufig deutliche Veränderungen ihres Blutzuckerspiegels fest:
- Bei Menschen ohne Diabetes steigt der Blutzuckerspiegel oft deutlich über den Normalwert, manchmal auf Werte von 13 bis über 20 Millimol pro Liter (das entspricht etwa 234 bis über 360 Milligramm pro Deziliter) während des Tages.
- Patienten, die starke Kortikosteroid-Medikamente wie Dexamethason oder Methylprednisolon einnehmen, haben tendenziell höhere Blutzuckerwerte als Patienten, die schwächere Steroid-Medikamente wie Hydrocortison einnehmen. Eine Krankenhausstudie zeigte beispielsweise, dass Dexamethason den Blutzuckerspiegel im Durchschnitt um 0,92 bis 1,11 Millimol pro Liter (16,6 bis 20,0 Milligramm pro Deziliter) stärker ansteigen ließ als Hydrocortison oder Prednisolon.
Diese Zahlen sind Durchschnittswerte, und die individuellen Reaktionen variieren stark. Menschen mit Diabetes erleben in der Regel stärkere und länger anhaltende Anstiege als Menschen ohne Diabetes.
Warum sind diese Veränderungen von Bedeutung?
Ein akuter Anstieg des Blutzuckerspiegels kann Symptome wie vermehrten Durst, häufiges Wasserlassen, verschwommenes Sehen und Müdigkeit verursachen. Wenn der Anstieg anhält, kann dies zu steroidinduziertem Diabetes führen – einer Form von hohem Blutzuckerspiegel, die auch nach Absetzen des Medikaments bestehen bleiben kann.
Bei hospitalisierten Patienten führt ein höherer Blutzuckerspiegel während einer Kortikosteroidtherapie zu schlechteren Ergebnissen. So wird beispielsweise jeder Anstieg des Blutzuckerspiegels um 18 Milligramm pro Deziliter (etwa 1 Millimol pro Liter) mit einem messbaren Anstieg des Risikos für Komplikationen wie Infektionen und schlechte Genesung in Verbindung gebracht.
Kortikosteroid-Medikamente verursachen häufig eine ausgeprägte tägliche Hyperglykämie:
- Der Blutzuckerspiegel bleibt in den frühen Morgenstunden tendenziell normal.
- Der Blutzuckerspiegel steigt häufig am späten Vormittag an und erreicht seinen Höchstwert am Nachmittag oder frühen Abend.
- Der Blutzucker sinkt dann über Nacht allmählich ab.
Diese Veränderung entspricht der Art und Weise, wie Kortikosteroide die Glukoseproduktion in der Leber und die Insulinsensitivität über mehrere Stunden nach einer Dosis beeinflussen.
Wenn Sie wissen, wie Kortikosteroid-Medikamente den Blutzucker beeinflussen, können Sie und Ihr medizinisches Team den Blutzucker effektiv überwachen und kontrollieren, wenn Sie diese Medikamente einnehmen.













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