Eine Infektion eines Fingergelenks ist eine schwerwiegende Erkrankung, die entsteht, wenn Bakterien, Pilze oder andere Mikroorganismen in ein Fingergelenk eindringen. Ärzte bezeichnen diesen Zustand oft als septische Arthritis oder infektiöse Arthritis. Obwohl Infektionen der Fingergelenke seltener auftreten als Infektionen größerer Gelenke wie Knie oder Hüfte, erfordert eine Infektion der Fingergelenke eine sofortige medizinische Versorgung, da eine verzögerte Behandlung zu dauerhaften Schäden an Knorpel, Knochen, Sehnen und umliegendem Gewebe führen kann.

Viele Fingerprobleme können Schmerzen, Schwellungen und Gelenksteifigkeit verursachen. Arthritis, Gicht, Sehnenverletzungen und Zysten können alle ähnliche Symptome hervorrufen. Eine ärztliche Untersuchung ist wichtig, da die richtige Behandlung von der zugrunde liegenden Ursache abhängt.
Symptome einer Fingergelenksentzündung
Die Symptome einer Fingergelenksentzündung treten in der Regel plötzlich auf und verschlimmern sich im Laufe von mehreren Stunden oder 2–3 Tagen.
Zu den häufigen Symptomen gehören:
- Starke Schmerzen in einem Fingergelenk
- Schwellung um das betroffene Gelenk herum
- Hautrötung
- Das betroffene Gelenk fühlt sich warm an
- Schwierigkeiten beim Beugen oder Strecken des Fingers
- Schmerzen, die sich bei Bewegung verschlimmern
- Eingeschränkte Bewegungsfreiheit
- In manchen Fällen Eiterausfluss aus einer nahegelegenen Wunde
- Fieber oder Schüttelfrost, obwohl bei manchen Menschen keine systemischen Symptome auftreten.
Eine bakterielle Infektion betrifft oft nur ein Fingergelenk. Eine schnell auftretende Schwellung, starke Schmerzen und ein Wärmegefühl im Gelenkbereich deuten stark auf eine Infektion hin und nicht auf eine gewöhnliche Arthritis.
Wenn sich die Infektion über das Gelenk hinaus ausbreitet, können Sie außerdem eine Schwellung des gesamten Fingers, rote Streifen, die sich die Hand oder den Arm hinauf ausbreiten, sowie vergrößerte Lymphknoten bemerken. Sie werden sich unwohl fühlen.
Eine sich ausbreitende Infektion ist ein medizinischer Notfall, der eine sofortige Behandlung erfordert.
Was verursacht eine Fingergelenksinfektion?
Eine Fingergelenksinfektion entsteht, wenn Mikroorganismen in den Gelenkraum eindringen.
Bakterien
Bakterien verursachen die meisten Infektionen der Fingergelenke. Zu den häufigsten Bakterien gehören:
- Staphylococcus aureus, einschließlich des Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA)
- Streptococcus-Arten
- Gramnegative Bakterien, insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem.
Verletzungen
Eine Stichwunde ist eine der häufigsten Ursachen. Beispiele hierfür sind:
- Tierbisse
- Menschenbisse
- Nadelstiche
- Angelhaken
- Splitter
- Schnittwunden durch scharfe Gegenstände.
Durch eine kleine Wunde können Bakterien direkt in das Gelenk oder das umliegende Gewebe gelangen.
Ausbreitung über den Blutkreislauf
Bakterien gelangen manchmal über den Blutkreislauf von einer anderen Infektion aus in das Gelenk, beispielsweise:
- Hautinfektion
- Harnwegsinfektion
- Zahninfektion
- Blutinfektion.
Die Mikroorganismen können sich in einem Fingergelenk ansiedeln und sich dort vermehren.
Operationen oder Injektionen
Obwohl dies selten vorkommt, können Bakterien nach einer Fingeroperation, Gelenkinjektionen oder medizinischen Eingriffen an der Hand in ein Gelenk gelangen.
Risikofaktoren
Mehrere Faktoren erhöhen das Risiko, eine Fingergelenkinfektion zu entwickeln:
- Diabetes
- Rheumatoide Arthritis
- Arthrose mit Gelenkschäden
- Geschwächtes Immunsystem
- Krebsbehandlung
- Langfristige Einnahme von Kortikosteroiden
- Organtransplantation
- Intravenöser Drogenkonsum
- Frühere Gelenkoperationen
- Vorhandene Wunden an der Hand.
Wie wird eine Fingergelenkentzündung diagnostiziert?
Ärzte diagnostizieren eine Fingergelenkentzündung anhand einer Kombination aus Ihren Symptomen, der körperlichen Untersuchung, bildgebenden Verfahren, Laboruntersuchungen und manchmal auch einer Gelenkflüssigkeitsanalyse.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Ihr Arzt wird Sie fragen:
- Wann haben Ihre Symptome begonnen?
- Haben Sie sich kürzlich am Finger verletzt?
- Wurden Sie von einer Person oder einem Tier gebissen?
- Hatten Sie kürzlich eine Operation?
- Hatten Sie bereits früher Gelenkerkrankungen?
- Haben Sie Fieber oder andere Anzeichen einer Infektion?
Ihr Arzt wird Schwellungen, Überwärmung, Hautrötungen, Schmerzen, den Bewegungsumfang sowie Wunden in der Umgebung untersuchen.
Blutuntersuchungen
Zu den Blutuntersuchungen können gehören:
- Großes Blutbild
- C-reaktives Protein
- Blutsenkungsgeschwindigkeit
- Blutkulturen bei Vorliegen von Fieber.
Entzündungsmarker sind bei einer Infektion häufig erhöht. Normale Befunde schließen eine Gelenkinfektion nicht vollständig aus.
Arthrozentese
Die Gelenkpunktion ist eines der wichtigsten diagnostischen Verfahren.
Bei diesem Verfahren führt Ihr Arzt eine sterile Nadel in das Gelenk ein und entnimmt eine kleine Menge Gelenkflüssigkeit.
Ein Labor untersucht die Flüssigkeit, um die Anzahl der weißen Blutkörperchen zu bestimmen und nach Bakterien, Pilzen oder Kristallen zu suchen. Die Ergebnisse der Kultur helfen dabei, den verantwortlichen Erreger zu identifizieren. Zudem wird die Antibiotikaempfindlichkeit getestet.
Die Analyse der Gelenkflüssigkeit hilft dabei, eine Infektion von anderen Gelenkerkrankungen zu unterscheiden.
Bildgebende Untersuchungen
Zu den bildgebenden Untersuchungen können Röntgenaufnahmen zur Beurteilung von Knochenschäden oder Frakturen, Ultraschall zur Feststellung von Gelenkflüssigkeit, Magnetresonanztomographie (MRT) zur Erkennung früher Gelenkschäden, Abszesse oder Infektionen des umgebenden Gewebes sowie in bestimmten Fällen Computertomographie (CT) gehören.
Unterscheidung einer Fingergelenkinfektion von anderen Erkrankungen wie Arthritis oder Gicht
Mehrere Erkrankungen können einer Fingergelenkinfektion sehr ähnlich sein.
Eine Fingergelenkinfektion verursacht typischerweise plötzliche starke Schmerzen, eine ausgeprägte Schwellung, ein Wärmegefühl, Hautrötungen, Schmerzen bei nahezu jeder Bewegung sowie Fieber und schreitet innerhalb weniger Stunden oder 1–2 Tagen rasch fort.
Gelenkflüssigkeit enthält in der Regel Bakterien, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt.
Arthrose

Arthrose entwickelt sich allmählich über viele Jahre hinweg.
Zu den typischen Merkmalen gehören:
- Gelenksteifigkeit nach Ruhephasen
- Schmerzen, die sich bei Belastung verschlimmern
- Vergrößerung der Fingergelenke
- Kaum oder keine Hautrötung
- Kein Fieber.
Die Symptome betreffen in der Regel mehrere Gelenke und treten nicht plötzlich in einem einzigen Gelenk auf.
Rheumatoide Arthritis
Die rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung.
Zu den typischen Merkmalen gehören:
- Die Erkrankung betrifft beide Hände (symmetrisch)
- Morgendliche Gelenksteifigkeit, die länger als 30 Minuten anhält
- Geschwollene Gelenke
- Müdigkeit
- Allmählicher Beginn über mehrere Wochen oder 2–3 Monate.
Obwohl rheumatoide Arthritis Entzündungen verursacht, sind Bakterien nicht die Ursache.
Gicht
Gicht entsteht, wenn sich Harnsäurekristalle in einem Gelenk ansammeln.
Ein Gichtanfall kann plötzliche, starke Schmerzen, eine Gelenkschwellung, Hautrötungen oder ein Wärmegefühl am Gelenk verursachen.
Ein Gichtanfall kann einer bakteriellen Infektion sehr ähnlich sein. Eine Gelenkpunktion hilft dabei, Harnsäurekristalle nachzuweisen und Bakterien auszuschließen. Manche Menschen können gleichzeitig an Gicht und einer bakteriellen Infektion leiden, daher testen Ärzte manchmal auf beide Erkrankungen.
Psoriasis-Arthritis
Psoriasis-Arthritis kann zu geschwollenen, wurstförmigen Fingern, Nagelveränderungen, Hautpsoriasis und chronischen Gelenkentzündungen führen.
Die Symptome entwickeln sich oft langsamer als bei einer bakteriellen Infektion.
Wie wird eine Fingergelenkinfektion behandelt?
Die Behandlung sollte so schnell wie möglich beginnen, da unbehandelte Infektionen das Gelenk rasch zerstören können.
Einsatz von Antibiotika
Bei bakteriellen Infektionen ist zunächst in der Regel eine intravenöse Antibiotikagabe erforderlich.
Sobald die Bakterien anhand der Laborergebnisse identifiziert wurden, kann Ihr Arzt das Antibiotikum so anpassen, dass es gezielt gegen diese spezifischen Bakterien wirkt.
Viele Patienten wechseln später, sobald sich ihr Zustand verbessert hat, auf oral einzunehmende Antibiotika um.
Die Behandlung dauert oft mehrere Wochen an, abhängig von der Bakterienart, dem Schweregrad der Infektion, dem Ansprechen auf die Behandlung oder einer Knochenbeteiligung.
Gelenkdrainage (Entfernung von überschüssiger Flüssigkeit, die sich innerhalb einer Gelenkkapsel angesammelt hat)
Die Entfernung der infizierten Flüssigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.
Zu den Drainagemethoden gehören die Nadelaspiration, die arthroskopische Drainage und die offene Operation.
Bei manchen Patienten ist eine wiederholte Drainage erforderlich, bis die Infektion abgeklungen ist.
Operation
Eine Operation kann erforderlich werden, wenn:
- Antibiotika allein die Infektion nicht unter Kontrolle bringen
- sich ein Abszess bildet
- abgestorbenes Gewebe entfernt werden muss
- sich eine Knocheninfektion entwickelt
- Fremdkörper in der Wunde verbleiben.
Ein frühzeitiger chirurgischer Eingriff verbessert oft die Chancen, die normale Fingerfunktion zu erhalten.
Schmerztherapie
Zur Schmerzlinderung können Ärzte Paracetamol, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder andere Schmerzmittel verschreiben.
Ihr Arzt entscheidet anhand Ihres allgemeinen Gesundheitszustands, welches Medikament geeignet ist.
Handtherapie
Nachdem sich die Infektion gebessert hat, können Handübungen oder Physiotherapie dazu beitragen, die Fingerbeweglichkeit, die Griffkraft, die Beweglichkeit und die Handfunktion wiederherzustellen.
Eine frühzeitige Rehabilitation verringert das Risiko einer langfristigen Gelenksteifigkeit.
Bei vielen unkomplizierten Infektionsfällen tritt innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach der Gabe von Antibiotika und der Drainage eine Besserung ein.
Die vollständige Genesung dauert oft 4–5 Wochen.
Ist eine Operation erforderlich oder hat die Infektion Knorpel, Sehnen oder Knochen geschädigt, kann die Genesung mehrere Monate in Anspruch nehmen. Bei manchen Menschen bleiben auch nach Abklingen der Infektion Gelenksteifigkeit oder eine eingeschränkte Beweglichkeit der Finger bestehen.













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